Ausgabe Fünf
März 2026
Mit Beiträgen von Thomas Münzenberger, Kinga Tóth und Miriam Schmidtke
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Inhalt
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Eine junge Frau erkrankt an NMDAR-Enzephalitis. Gemeinsam mit ihrem Arzt wird ihr schwieriger Diagnose- und Krankheitsverlauf rekonstruiert – auch mithilfe der Erinnerungen anderer, da sie selbst vieles vergessen hat.
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Künstlerisch bearbeitete Röntgenbilder, die den objektiven Blick medizinischer Bildgebung hinterfragen und neu interpretieren.
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Ein Audio-Manifest, das Trägheit und Erschöpfung als Form von Widerstand und »radical rest« neu denkt.
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Editorial
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In Ausgabe 5 nimmt uns der Text »Gewitter im Kopf« mit in die Welt des Hausarztes Thomas Münzenberger, der mit einer seltenen Krankheit konfrontiert ist, die auf radikale Art und Weise den unaufhaltsamen Prozess des Verschwindens eines Menschen in Gang setzt. Was seiner Patientin geschieht, scheint ein Rätsel – die Suche nach Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten erweist sich als kompliziert.
Der Text ist Rekapitulation einer Behandlungs- und Krankheitserfahrung, an die sich die kranke Person über weite Strecken nicht erinnern kann. Ein großer Teil ihrer Geschichte musste Hannah von den Menschen, die dabei waren, erzählt werden. »Gewitter im Kopf« ist auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin entstanden. Zur Veröffentlichung haben sich Patientin und Arzt gemeinsam entschieden.
Eine ganz andere Art der Zeugenschaft stellen im medizinischen Kontext die sogenannten bildgebenden Verfahren dar: als vermeintlich neutrale Abbildungen des Körpers kehren sie ein unsichtbares Innen nach außen, versprechen Erklärungen, suggerieren Klarheit und Vergleichbarkeit. In ihrem visuellen Beitrag »X-Rays« holt sich Kinga Tóth die Deutungshoheit über die Abbildung ihres Körpers zurück. Sie interpretiert, was sie sieht, sie ergänzt, sie über-schreibt und macht uns bewusst, wie brüchig auch die klarsten Zuschreibungen am Ende sind.
Auch unser Audio-Beitrag mag sich nicht mit der Deutung eines Konzepts zufriedengeben. Das Phlegma, das Ausruhen, die Erschöpfung stehen viel zu oft unter Generalverdacht, werden viel zu oft ganz selbstverständlich als negativ bewertet. Miriam Schmidtke postuliert mit »The Manifesto of Post-Phlegmatism« eine Abkehr von dieser Sicht auf die Dinge und feiert die Trägheit als Rebellion.
Annekathrin, Jelena, Kathrin, Saskia, Svenja
Gewitter im Kopf
Thomas Münzenberger
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Gewitter im Kopf – ich erinnere mich zurück an den Tag im Oktober 2018, als die damals 17-jährige Hannah zu mir in die Sprechstunde kam. Und ich schaue voraus, voraus in die Zukunft, die heute zu ihrer und meiner Vergangenheit geworden ist.
Mein Gehirn scheint ansatzweise das nachvollziehen zu wollen, was ihr Gehirn im Folgenden erleben wird. Unsortiert, flüchtig, nicht mehr greifbar, ein Aufblitzen von Gedanken hier und dort, unzusammenhängend. Kennengelernt hatte ich Hannah bereits im Frühjahr 2018, ein 17-jähriges Mädchen mit eher noch kindlicher Ausstrahlung, mit mandelförmigen, schmalen Augen, vollen Lippen, dunklem Teint. Sie war ganz der Teenager: einen Schmuckring durch einen Nasenflügel, etwas Akne im Gesicht und ein verschmitztes, verlegenes Lächeln.
Hannah möchte für alle mit Fragen und/oder ähnlichen Erfahrungen unter dieser E-Mail-Adresse erreichbar sein: hannah-gewitterimkopf[at]gmx.ch
X-Rays
Kinga Tóth
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X-Rays sind »gut gemachte« Bilder von »gut gemachten«, von perfekt funktionierenden Organen. Die Röntgen- und MRT-Bilder sind mit Kunst, mit Text und guten Wünschen, Konturen und Gebeten, Aberglauben und Zeichnungen, Liedtexten und neuen Diagnosen überschrieben. Der (Original-) Körper wird neu kreiert und geheilt, bezettelt (gelabelt). – Kinga Tóth
The Manifesto of Post-Phlegmatism
Miriam Schmidtke
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»I want the deep sleep that feels like rebellion.«
Text & Regie: Miriam Schmidtke
Komposition & Sounddesign: Albert van Veenendaal
Sprecherin: Marysa Abbas
Musiker:innen: Albert van Veenendaal (Präpariertes Klavier und EBows ) und Mieke van Dam (Theremin)
Biografien
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